01.01.2011 << zurück
 

Die Anforderungen des Arbeitsmarktes

Eine Längsschnittstudie des FFG von 1999-2005 in Österreich liefert interessante Ergebnisse hinsichtlich der Berufslaufbahn von Techniker/innen und Naturwissenschafter/innen.

Viele sehen im „lifelong learning“ eine grundlegende Voraussetzung für die berufliche Laufbahn. Das Studium wird sozusagen als eine erste Grundausbildung gesehen, eine sukzessive weitere Qualifizierung ist unerlässlich. Betont werden Projektmanagementkenntnisse von der Projektorganisation, -abwicklung, -monitoring, -marketing, bis bin zur Ressourcenplanung und vor allem betriebswirtschaftliche Kenntnisse. Das wirtschaftliche Verständnis ist vor allem relevant für die Schnittstellen, wenn es darauf ankommt kaufmännisches und technisches Denken und Handeln aufeinander abzustimmen.

Von Seiten der Unternehmen wird zunehmend eine höhere zeitliche, räumliche und fachliche Flexibilität gefordert. Einerseits wird hohes fachliches Niveau verlangt und andererseits „Generalistentum“, um wechselnde inhaltliche Aufgabenstellungen und interdisziplinäres Arbeiten erfolgreich zu bewältigen. Ausgeprägtes Spezialistentum erhöht zwar die Employability im Fachbereich, macht es aber schwieriger die Arbeitstelle oder den Aufgabenbereich zu wechseln. Ein Grundverständnis für andere Fachrichtungen erleichtert die interdisziplinäre Zusammenarbeit.

Durch projektbezogene Arbeitsformen ist eine geregelte Arbeitszeit ohne Überstunden oft unmöglich und nicht mehr die Arbeitszeit ist Grundlage der Entlohnung, sondern viel eher der Output der geleisteten Arbeit wird in Form von variablen Gehaltsanteilen honoriert. Diese projektbezogene Arbeitsorganisation verlangt in vielen Fällen hohe Mobilität von Auslandsreisen bis hin zum kompletten Ortswechsel nach Projektende. Nicht selten klagen Unternehmen, dass Absolvent/innen von technischen und naturwissenschaftlichen Fächern nicht über ausreichende Englischkenntnisse für den beruflichen Alltag verfügen.



Weitere relevante Faktoren sind Motivation, Engagement, Offenheit für Neues und Identifikation mit den Arbeitsaufgaben bzw. Unternehmen. Sozial-kommunikative Kompetenzen sind nicht nur für die Arbeit im Team, auch für die Führung von Teams, den Umgang mit Kunden und oftmals für die eigene Effizienz und das persönliche „Weiterkommen“ relevant. Netzwerke werden als sehr wichtig erachtet- nicht nur in der Scientific community- auch in der Privatwirtschaft. Netzwerke dienen nicht nur dem fachlichen Austausch und dem Kennen lernen möglicher Projektpartner, sondern werden vielfach auch für die eigene berufliche Weiterentwicklung genutzt. Weiters werden proaktives Handeln, Umsetzungsstärke, Eigenverantwortung, Selbstständigkeit, Stressresistenz und Frustrationstoleranz als wichtig erachtet.

Die Qualifikation von Diplomingenieuren/innen im Bereich Technik wird allgemein als sehr gut bewertet. Manche Unternehmen klagen über fehlende Zusatzqualifikationen bzw. spezielle fachliche Kombinationen. Der Mangel an Berufseinsteiger/innen mit bestimmten fachlichen Kombinationen spricht für eine möglichst kurze Ausbildungsdauer und nachfolgender berufsbegleitender bedarfgerechter Weiterbildung.



Für den Bereich Forschung und Entwicklung sind die am besten geeignetsten Kandidat/innen die technischen Absolvent/innen, gefolgt von den Universitätsabsolvent/innen im Bereich Naturwissenschaft. FH Absolvent/innen/innnen stellen im FuE Bereich eine geringe Konkurrenz dar. In der Fertigung inklusive Vorbereitung und in den Funktionsbereichen Marketing, Vertrieb und Kundenbetreuung haben eindeutig FH-Absolvent/innen die Nase vorn und werden als besser geeignet beurteilt als technische und naturwissenschaftliche Absolvent/innen. Für die Funktionsbereiche Management, Verwaltung und Personalführung sind die Topkandidaten/innen in den befragten Unternehmen mit Schwerpunkt Industrie und Technik allgemein die Technik-Absolvent/innen.

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